Die Geschichte des Lindauer Kinderfestes

 

 

 

Das Lindauer Kinderfest,

 

einst in Zeiten großen Elends vom Magistrat der Stadt geschaffen, ist heute alljährlich für jung und alt der Höhepunkt in unserer Stadt. Eine Woche vor den großen Ferien begeht Lindau seinen „Nationalfeiertag", ein eindrucksvolles Bekenntnis zu Heimat und Vaterland.

Ging es ursprünglich um die Linderung der Not und die Verbesserung der im fürchterlichen dreißigjährigen Krieg verwahrlosten Sitten, so war der tiefere Sinn in späteren Jahren, die Bindung an die Heimat und die Liebe zu unserer Stadt zu festigen und zu vertiefen. Daran hat sich auch in unserer Zeit nichts geändert.

Der Ursprung

 

Erinnern wir uns zurück an den Ursprung:
Lindaus großer Rechtsgelehrter und Ratsherr Dr. Valentin Heyder war es, der als Vorsitzender des Kirchen- und Schulrates 1654 anregte, die nach den Schrecken des dreißigjährigen Krieges verwahrloste Jugend durch Predigten zu erbauen und zu bessern. Am 4. Mai 1655 wurde in einem Konsistorialbeschluß verfügt, daß die „Schul Predigt zuhalten sey, welche auff künftigen Donnerstag zuhalten." Vom gleichen Jahr datiert ein Ratsprotokoll über die Einführung eines Dankfestes aus Anlaß des 100. Jahrestages des Augsburger Religionsfriedens. Es sind also zwei Wurzeln, auf die das Kinderfest zurückzuführen ist.

traditioneller Ablauf

 

Der traditionelle Ablauf des Kinderfestes - im Laufe der Jahrhunderte mehrfach geändert - beginnt heute mit dem Weckruf durch Musikkapellen und Trommlerzüge und findet seinen Höhepunkt im Festakt vor dem Alten Rathaus. Am Nachmittag verlagert sich das Geschehen in die Stadtteile, wo die Kinder bei den Spielen ihre Geschicklichkeit unter Beweis stellen können. Am Abend gehört das Fest den Erwachsenen, die im Kreise von Freunden und Bekannten die eigene Jugendzeit Revue passieren lassen.

Bedeutung

 

Folgende Passage aus der Festschrift zum 325-jährigen Jubiläum charakterisiert wohl am besten die tiefe Bedeutung des Kinderfestes: „Wer jemals den Festakt vor dem Rathaus erlebt und das feierliche Bekenntnis zu Heimat und Vaterland mitgesungen hat, der wird diesen Augenblick in seinem Leben nie mehr vergessen können. Wer erlebt, wie tausende festlich gekleideter Kinder, geschmückt mit Fahnen und Blumen, mit strahlenden Augen ihre Stadt und Heimat hochleben lassen und für sie Gottes Segen erflehen, der wird von tiefer Rührung erfaßt und erkennt, welch große Bedeutung, welch tiefer Sinn und welch eine riesige, stets erneut belebende Kraft von diesem Fest ausgehen."